von Axel Hillebrandt
Warum die Eule
Wer nachts auf einer Intensivstation arbeitet, lernt etwas über Stille. Nicht die Stille der Abwesenheit. Die Stille der Konzentration. Während andere schlafen, bist du wach. Du beobachtest. Du hörst auf das was nicht gesagt wird. Den Rhythmus eines Monitors, die Veränderung eines Atemmusters, das Zögern in der Stimme eines Kollegen, du beobachtest wie sich Werte nach Therapie und Pflege verändern. Das ist keine Romantik. Das ist Arbeit. Präsenz, wenn es zählt. Entscheidungen in Momenten, in denen Zögern kostet. Wenn ich heute gefragt werde warum eine Eule in meinem Claim steht, ist die Antwort einfach: Weil sie das zeigt, was ich gelernt habe.
Wachsamkeit, nicht Lautstärke
Eulen jagen nicht durch Geschwindigkeit. Sie jagen durch Beobachtung. Sie sitzen still, nehmen wahr, ordnen ein. Und wenn sie handeln, dann präzise. Das ist das Gegenteil von dem was heute als Stärke verkauft wird. Laut sein. Schnell sein, Bullshit-Bingo in Buzzwords predigen. Überall sichtbar sein. Die Eule ist nichts davon. Sie ist da, wenn es dunkel wird. Wenn andere aufhören hinzusehen. Das passt zu dem was ich unter anderem unter Führung verstehe. Nicht der Lauteste im Raum. Der Wachste.
Wissen ohne Arroganz
Die Eule gilt seit Jahrhunderten als Symbol für Klugheit. Aber nicht die Klugheit des Besserwissers. Nicht die Klugheit derer die Räume mit Gewissheit füllen. Sondern die Klugheit dessen der weiß, dass er nicht alles weiß. Der beobachtet, bevor er urteilt. Der Muster erkennt, weil er lange genug hingeschaut hat. Auf der Intensivstation lernt man das schnell (okay, sollte man/sie/es, wer auch immer). Die bedenklichsten Kollegen (egal welcher Zunft und welcher Intsitution in der ich Tätig gewesen bin) waren nie die Unsicheren. Es waren die, die zu sicher waren. Die keine Fragen hatten. Die Routinen mit Wahrheit verwechselten. Die Eule fragt. Sie beobachtet. Sie entscheidet aber erst, wenn sie verstanden hat und sich ihrem Ziel sicher ist.
Schutz in der Dunkelheit
Es gibt einen Grund warum Eulen mit Schutz assoziiert werden. Sie sind da, wenn andere nicht hinschauen. Sie übernehmen die Schichten, die niemand will. Das klingt pathetisch. Es ist Alltag. Wer Nachtschichten auf einer Intensivstation gearbeitet hat weiß: Es gibt Momente, in denen du allein entscheidest. In denen kein Oberarzt um die Ecke kommt. In denen Verantwortung keine Theorie ist sondern das, was gerade auf deinen Schultern liegt.
Die Eule trägt das in sich. Nicht als Heldengeschichte. Als stille Selbstverständlichkeit.
Form als Haltung
Der Claim ist geometrisch. Reduziert. Fast konstruiert. Keine verspielten Linien, keine Effekte. Die Eule fügt sich in den Namen ein, wird Teil davon und nicht zur Dekoration. Das ist meine Absicht. Ich glaube nicht an Logos, die lauter sind als die Arbeit dahinter. Ich glaube an Zeichen die etwas tragen. Die nicht erklären müssen was sie bedeuten, weil sie es zeigen. Dieser Claim ist nicht auf Aufmerksamkeit optimiert. Es ist auf Dauer gebaut. Weil Haltung nicht altert.
Kurz gesagt
Die Eule steht für das was ich in all den Jahren gelernt habe. Auf der Intensivstation. In Führungspositionen. In der Arbeit mit Marken und Menschen. Klarheit statt Lärm. Beobachtung vor Urteil. Präsenz, wenn es zählt. Führung und Pflege ohne Show. Das ist die Kunst des Kümmerns. Und die Eule ist ihr Zeichen.
WACH SEIN, WENN ES ZÄHLT.